Unternehmen sind besorgt über die Work-Life-Balance und psychische Gesundheit ihrer Mitarbeitenden – aber oftmals haben sie noch keine Wellbeing-Strategie.

Während die Mehrheit der Unternehmen in der Schweiz über eine allgemeine Strategie zu betrieblichen Nebenleistungen verfügt, fokussieren nur 56 Prozent von ihnen auch gezielt auf das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden. Gleichzeitig machen sich 79 Prozent der Unternehmen Gedanken über die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeitenden, und die Hälfte der befragten Unternehmen bietet ein übergreifendes Employee Assistance Program (EAP) an. Ergonomische Arbeitsplätze, Home-Office-Unterstützung, Gesundheitsförderung und Präventionsveranstaltungen für Mitarbeitende und Vorgesetzte oder medizinische Vorsorgeuntersuchungen sind weitere Leistungen, die von einigen Unternehmen angeboten werden. Der Median der jährlichen Ausgaben für Wellbeing liegt bei etwa CHF 1000.– pro Mitarbeitenden. Dies sind einige der Ergebnisse einer neuen Mercer-Studie, in der die Antworten auf mehr als 200 Fragen von 75 teilnehmenden Unternehmen aus 16 Branchen analysiert wurden. Die Studie untersucht die gesamte Bandbreite der Nebenleistungen für Mitarbeitende, einschliesslich versicherter Leistungen wie Vorsorge- und Krankenversicherungen sowie nicht versicherter Leistungen, zum Beispiel in den Bereichen Wellbeing, Urlaub und flexible Benefits.

«Unsere Umfrage zeigt, dass die Unternehmen begonnen haben, die bestehende Diskrepanz zwischen ihren Sorgen um das Wohlergehen der Mitarbeitenden und ihren Massnahmen zu adressieren. Das Wohlbefinden der Mitarbeitenden ist seit Langem ein heisses Thema in den Diskussionen innerhalb der HR-Community, aber es ist höchste Zeit, dass wir von Worten zu Taten übergehen», kommentiert Marco Hürzeler, Autor des Studienreports und Berater bei Mercer Schweiz. «Es gibt ein Bewusstsein für Herausforderungen wie Work-Life-Balance und Burn-out, von denen einige durch die globale Pandemie der letzten Jahre noch verstärkt wurden. Der Weg in die Zukunft sollte für viele Unternehmen nun darin bestehen, eine klare Strategie zu formulieren, die sich auf die Unterstützung ihrer Mitarbeitenden konzentriert, was sich letztlich auch auf die Erhaltung der Produktivität und die Integrität ihres Unternehmens auswirkt.»

EINIGE INKLUSIVE BENEFITS SIND AUF DEM VORMARSCH

Viele Unternehmen bieten für Frauen und Männer, die Anspruch auf Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaub haben, spezielle Leistungen an, die auf eine zusätzliche Unterstützung während dieser wichtigen Lebensphasen ausgerichtet sind. 69 Prozent der befragten Unternehmen gewähren zusätzlichen Mutterschaftsurlaub über das gesetzliche Minimum hinaus, und 60 Prozent der Unternehmen bieten zusätzlichen Vaterschaftsurlaub für Männer an. Weitere Leistungen sind Geschenke (42 Prozent Frauen, 40 Prozent Männer), Mutterschafts-/Vaterschaftsgeld (19 Prozent Frauen, 18 Prozent Männer), andere monetäre Prämien (16 Prozent Frauen, 18 Prozent Männer) und Kindergeld (13 Prozent Frauen, 16 Prozent Männer). Bei der Betrachtung anderer Arbeitnehmergruppen muss jedoch noch mehr getan werden. Beispielsweise schliessen 26 Prozent der Vorsorgepläne derzeit aus, dass LGBTQ+-Partner oder adoptierte Kinder als Angehörige hinzugefügt werden können. 10 Prozent der Befragten prüfen derzeit, ob dies geändert werden kann.

«Wie wir wissen, können Veränderungen manchmal ein langsamer Prozess sein. Bei der Betrachtung von Vorsorgeplänen gibt es jedoch keinen Grund, Lebenspartner und Adoptivkinder als Angehörige auszuschliessen, nur weil die aktuellen Reglemente oft auf altmodischen Annahmen über Familien beruhen. Dies ist eindeutig ein Bereich, der überprüft werden muss, und zwar schnell», sagt Jan Koller, Leiter des Beratungsteams für Pensionskassen bei Mercer Schweiz. «Oft ist eine solche Änderung recht einfach und verursacht nicht unbedingt zusätzliche Kosten für das Unternehmen.»

DIE VORSORGE IST WEITERHIN DIE WICHTIGSTE LEISTUNG IN DER SCHWEIZ, ABER FLEXIBLE WAHLMÖGLICHKEITEN VERBREITEN SICH VERMEHRT

Laut den Umfrageergebnissen haben 97 Prozent der Unternehmen kein flexibles Benefit-System eingerichtet. Mehr als 40 Prozent der Unternehmen planen jedoch, in den nächsten ein bis fünf Jahren mehr Wahlmöglichkeiten einzuführen, und ein Drittel der Unternehmen erwägt sogar, im gleichen Zeitraum ein echtes flexibles Benefit-System einzuführen, bei dem den Mitarbeitenden ein Standardpaket mit der Option zur Verfügung gestellt wird, bestimmte vom Unternehmen angebotene Leistungen zu verkaufen und einzukaufen. Historisch gesehen ist die Schweiz kein ideales Land für flexible Benefits, aber man sieht hier eine gewisse Bewegung.

Was die versicherten Leistungen betrifft, so ist die Vorsorge in der Schweiz nach wie vor am wichtigsten. 82 Prozent der befragten Unternehmen bieten Vorsorgeleistungen an, die über das gesetzliche Minimum hinausgehen, und 34 Prozent der Unternehmen planen in den nächsten drei Jahren eine Anpassung der Sparleistungen ihres Plans. Allerdings verfolgen die meisten Unternehmen in diesem Bereich noch immer eher traditionelle Ansätze: Nur acht Prozent der Umfrageteilnehmenden gaben an, dass sie ein flexibles Modell anwenden, bei dem sie eine feste garantierte Rente plus eine variable Zusatzrente anbieten. Ausserdem gestatten nur 30 Prozent der Unternehmen ihren Mitarbeitenden unter 25 Jahren, Beiträge zu leisten, wobei weitere 11 Prozent diese Möglichkeit derzeit prüfen.

Mercer Schweiz AG

In der Schweiz ist Mercer mit rund 100 Mitarbeitenden an den Standorten Zürich und Nyon vertreten. Die Schwerpunkte der Geschäftstätigkeit liegen in der Beratung von Unternehmen rund um die berufliche Vorsorge inklusive der Verwaltung von Versicherungsverträgen, Investments sowie Human-Capital-Strategien und Vergütung/Mobilität von Arbeitnehmenden.